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Malte van de Waters Malerei entfaltet sich in einem Spannungsfeld, das nicht mehr entlang der klassischen Opposition von analog und digital zu denken ist. Seine Bilder entstehen dort, wo sich digitale Vorzeichnung, kalkulierte Präzision und physische Materialität unauflösbar miteinander verschränken. Was auf der Leinwand als freigelassener Pinselstrich oder spontane Setzung erscheint, trägt in Wahrheit die Vorgeschichte einer digitalen Choreografie: Linien, Formen und Verschiebungen, die am Bildschirm entworfen, justiert und vielfach verworfen wurden, bevor sie als Schablone in die analoge Ausarbeitung übergehen.
In diesem Prozess wird der expressive Gestus – traditionell mit Unmittelbarkeit, Risiko und Unvorhersehbarkeit verbunden – nicht negiert, sondern neu verhandelt. Van de Water hält die Geste nicht als heroischen Moment fest, sondern als präzise komponierte Spur, die im Digitalen testbar, veränderbar, skalierbar bleibt. „Command Z“ fungiert hier nicht als Sicherheitsnetz, sondern als methodisches Werkzeug: ein Mittel, um Möglichkeiten zu vervielfachen, Kompositionen gegeneinander auszutesten und das Vokabular der abstrakten Malerei zu öffnen für ein Denken, das aus der Gegenwart digitaler Bildproduktion hervorgeht.
Doch erst auf der Leinwand findet diese Sprache ihre endgültige Form. Hier entstehen komplexe Schichtungen aus Sprühlack, Acryl, Rasterungen und gestischen Überzügen, die sich gegenseitig durchdringen und ein visuelles Geflecht aus Ebenen erzeugen. Der Bildgrund ist selten homogen; oft ist er perforiert, leicht versetzt, porös, oder bewusst „unruhig“ gehalten. Indem van de Water industrielles Lochblech als Sprühmatrix nutzt, erzeugt er Raster, die zugleich technisch und organisch wirken – ein Hybrid, der die visuelle Logik digitaler Interfaces in ein physisches Objekt übersetzt.
Was aus der Ferne grafisch kontrolliert wirkt, offenbart sich aus der Nähe als malerisch vibrierend: verdichtete Pigmentwolken, feine Lasuren, überraschende Verdickungen, sichtbare Handspuren. Die Arbeiten behaupten sich als Unikate, obwohl sie digital modelliert sind; sie fordern die körperliche Beziehung zum Originalbild neu ein – gerade in einer Zeit, in der viele visuelle Kulturen ohne physische Präsenz auskommen.
Damit öffnen van de Waters Werke einen Diskurs über die Bedingungen zeitgenössischer Malerei: Was geschieht, wenn digitale Werkzeuge nicht mehr nur Hilfsmittel sind, sondern integraler Bestandteil des malerischen Denkens? Wie verändert sich die Wahrnehmung von Autorschaft, wenn der Moment des „freien“ Strichs längst im virtuellen Raum antizipiert wurde? Und wie verschiebt sich unser Blick, wenn Malerei scheinbar zwischen zwei Welten vermittelt – der reproduzierbaren Bildoberfläche des Digitalen und der widerständigen Materialität des Analogen?
Seine Werke lassen diese Fragen bewusst offen und setzen stattdessen auf Ambivalenz. Zwischen Strenge und Spiel, zwischen Rechenlogik und Intuition, zwischen digitaler Simulation und handwerklicher Präsenz entstehen Bildräume, die nicht eindeutig zu fassen sind. Genau in dieser Offenheit entfalten sie ihre Relevanz: als zeitgenössische Malerei, die nicht nostalgisch auf das Analoge setzt, sondern das Digitale als inhärenten Teil ihrer eigenen Realität begreift – und dabei auf ihrer körperlichen, räumlichen, materiellen Präsenz besteht.
Van de Waters Malerei verweist damit auf eine Zukunft, in der das eine nicht ohne das andere gedacht werden kann: eine Analogie zur Gegenwart, in der wir uns gleichzeitig im Raster und im Raum bewegen.
von Francesca Romana Audretsch
Exhibitions
2026
- Mother says I was a dancer before I could walk, Littler, Düsseldorf (E)
- Die Grosse, Kunstpalast und NRW Forum, Düsseldorf (G)
- 15 Jahre salondergegenwart, Kunstraum Potsdam (G)
- HYPEREXPRESSIONIST, Galerie MalfA, Wien (G)
- certa, Galerie Dietrich, Köln (G)
2025
- gems on a wire, Galerie Dietrich, Köln (E)
- 775 - Westfalen, LWL Museum in der Kaiserpfalz, Paderborn (G)
- Und wir fangen gerade erst an, Kunsthalle Düsseldorf (G)
- Ausstellung Hans-Purrmann-Preise, Kulturhof Flachsgasse, Speyer (G)
- Klare Kante, Kunstverein Greven (E)
2024
- Das kleine Format, Malkasten Düsseldorf (G)
- Multiversen, Reinraum, Düsseldorf (G)
- Enter Art Fair Kopenhagen, Galerie Von & Von(G)
- Die Grosse Kunstausstellung NRW, Kunstpalast und NRW Forum Düsseldorf (G)
- Art Karlsruhe, Galerie Von & Von (G)
2023
- Artist Statement, Parallel Vienna (S)
- Und schon löst sich das Bezugssystem, Galerie Dietrich, Köln (S)
- ABOVE YOUR HEAD, Galerie Von & Von, Nürnberg (G)
- young painters exhibition with january pool party atmosphere
in old car dealership surroundings, ES365, Düsseldorf (G)
2022
- Unseen Works, Galerie Rudolf Leeb, Wien (G)
- Kunst Jetzt! Ida Gerhardi Kunstpreis, Städtische Galerie Lüdenscheid (G)
- Eb-Dietzsch-Kunstpreis Ausstellung für Malerei (G)
2021
- Two Nights in Tunis, Tunis (S)
- Die Grosse Kunstausstellung NRW, Kunstpalast und NRW Forum, Düsseldorf (G)
- Ich Schreib Dir Von Zuhause, Münster, Dortmund, Düsseldorf (G)
2020
- Sahne im Krieg, Galerie Januar e.V., Bochum (S)
- art-hoc, duesseldorf-art, Düsseldorf (G)
- Einmal mit Alles, Kunstmuseum Gelsenkirchen (G)
- Prisma, Galerie Rasche Ripken, Berlin (S)
2019
- Intermezzo, Rooooom, Düsseldorf (S)
- Open House Speicher II, Münster (G)
- Fair For Art Vienna, Galerie Rudolf Leeb (G)
- Neue Wiener Ernsthaftigkeit, Semper Depot, Wien (G)
- Rundgang, Akademie der bildenden Künste, Wien (G)
2018
- salondergegenwart Hamburg
- Kunstpreis 2018 - Junge Kunst im Wettbewerb NRW Bank, Münster (G)
- struggle happiness, Kunstakademie Münster (S)
- SKR_D, Kunsthalle Münster (G)
- Out of Peace Franz Hitze Haus, Münster (G)
2017
- Malerei 17, Künstlerzeche "Unser Fritz", Herne (G)
- Neuland - Junge Kunst aus der Kunstakademie Münster, DZ Bank, Düsseldorf (G)
- Beyond Painting, punktkommastrich, Düsseldorf (S)
- Neue Wände Stadttheater, Münster (S)
- paintings, Kulturforum, Ostbevern (S)
2016
- Förderpreisausstellung der Freunde der Kunstakademie, Kunsthalle, Münster (G)
- Open House, Speicher 2, Münster (G)
- Emscherkunst, Dortmund (G)
- Kunst in der Region, Kloster Gravenhorst (G)
- „Er ging den Weg, den er gehen musste (...)“, Kunstverein Hamm (G)
- Stutenmilch, Kunstverein Ibbenbüren (G)
2015
- 864.000, Vier Wände, Münster (S)
- Erotik Unten – Die Intimität der kleinen Form, Kunstraum Unten, Bochum (G)
2014
- Plus Minus Null, Spec Ops, Münster (S)
- Jahresausstellung Ateliergemeinschaft Schulstraße, Münster (G)
(S) = Solo exhibition (G) = Group exhibition
Studies
2018-2019
- Academy of fine arts, Vienna; Gueststudent in class of Prof. Erwin Bohatsch
2010-2018
- Academy of fine arts, Münster; class of Prof. Michael van Ofen
- Master-class Student of Prof. Michael van Ofen
2012-2015
- Bachelor in german studies at Westfälische Wilhelms-Universität, Münster
Scholarships/Awards
2022
- Westmünsterland scholarship of VR Bank
2021
- Residency in Tunis in a studio of Selma Feriani Gallery
2018
- nrw.bank public choice award
- Erasmus schcolarship academy of fine arts, Vienna
2017/2020
- Studio scholarships, Speicher II, Münster
